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Wichtige chinesische Expertenkommission erklärt ihre Rolle
2009/06/25


Die neu gegründete Expertenkommission, das CCIEE, hat ehrgeizige Pläne für die Zukunft der Wissenschaft in der Politik. Sie will, dass nicht nur die Regierungen der Welt zusammenarbeiten, sondern auch die beratenden Wissenschaftler ihr Wissen miteinander teilen.

Um die 100 der weltbesten Expertenkommissionen werden einen globalen Think Tank Gipfel am 3. und 4. Juli in Beijing besuchen. Der Gipfel wurde von Chinas jüngster Expertenkommission, dem chinesischen Zentrum für internationalen Wirtschaftsaustausch (CCIEE) gegründet. Zheng Xinli, Vizepräsident der CCIEE, sprach mit People's Daily über die Hintergründe der neuen Kommission.

Frage: Was war der Gedanke hinter der neuen Expertenkommission, welche mit so vielen wichtigen Vordenkern ausgestattet wurde?

Antwort: Expertenkommissionen sind die "weiche Kraft" eines Landes und spielen eine immer wichtigere Rolle bei der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsfindung, weltweit. Die globale Finanzkrise zeigt uns, dass wir die Probleme, welche in den letzten 30 Jahren der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung aufgebaut wurden, lösen müssen – dabei spielen Experten eine wichtige Rolle. Das CCIEE will die wichtigste von der Regierung unabhängige Expertenkommission Chinas werden und zuverlässige Studien produzieren. Diese sollen den öffentlichen Entscheidungsträgern und Managern großer Unternehmen mit intellektueller Unterstützung und Beratung zu Verfügung stehen.

F: Was ist denn so speziell am CCIEE, vergleichen mit herkömmlichen Forschungsinstitutionen?

A: Das CCIEE ist eine junge Organisation, vergleichen mit dem Entwicklungsforschungszentrum des Staatsrates (DRC), der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS) oder der Akademie der makroökonomischen Forschung (AMR) der Staalichen Kommission für Entwicklung und Reform. Unsere Stärke liegt in unseren bestausgebildeten, respektablen und erfahrenen Forschungsexperten, welche den Kern einer erfolgreichen Expertenkommission darstellen.

Der ehemalige Vizeministerpräsident Zeng Peiyan ist Präsident der CCIEE und Wei Jianguo, ehemaliger Vizevorsitzender des Handelsministeriums, ist Generalsekretär. Weitere Ratsmitglieder sind hohe Politiker wie Li Rongrong (Direktor der Staatlichen Kommission für Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen), Zhang Xiaoqiang und Zhang Guobao (Vizedirektoren der Staalichen Kommission für Entwicklung und Reform). Ferner Finanzexperten wie Chan Yuan (Vorsitzender des Rates der chinesischen Entwicklungsbank), Lou Jiwei (Vorsitzender des Aufsichtsrates der China Investment Corporation) und Dai Xianglong (Vorsitzender des Aufsichtsrates des Nationalen Konzils des Sozialen Sicherheitsfonds). Daneben auch ehemalige Regierungsabgeordnete mit einem tiefen Verständnis der makroökonomischen Gesetzen wie Teng Wensheng (ehemaliger Direktor des Zentralpolitikforschungsbüros), Wang Chunzheng (ehemaliger Direktor des Büros der Zentralführungsgruppe für finanzielle und ökonomische Arbeit), Wei Liqun (ehemaliger Direktor des Forschungsbüros des Staatsrates), Liu Huaqiu (ehemaliger Direktor des Büros der Führungsgruppe für auswärtige Angelegenheiten beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei) und Lu Ruihua (ehemaliger Gouverneur der Provinz Guangdong). Auch erstklassige Akademiker, welche Forschungsprojekte führen können, finden sich in der Kommission. So Li Yining (Professor an der Peking-Universität) und Professor Lawrence J. Lau (Vizekanzler und Präsident der Chinesischen Universität Hong Kong).

Institutionen wie der Staatsrat oder die Chinesische Akademie der Geisteswissenschaften spezialisieren sich auf die wirtschaftliche Theorie und Chinas inländische Wirtschaft. Der Fokus des CCIEE liegt aber auf dem Studium internationaler Wirtschaftsstrategien und dem Liefern verlässlicher Vorschläge an die Zentralregierung, wenn diese benötigt werden – "die Schüsse ins Ziel lenken", wie es Zeng Peiyan, Präsident des CCIEE, auch nennt. Das Zentrum misst sowohl origineller Forschung wie auch dem Lernen neuer Lektionen von den Errungenschaften anderer Institutionen Wichtigkeit zu. Seit der Gründung des Zentrums startete es 20 Forschungsprojekte und wird ab Ende Juni einen monatlichen Jugendwirtschaftsgipfel organisieren.

F: Wer wird das CCIEE bezahlen? Besteht die Gefahr, dass das Zentrum zum Sprachrohr seiner Sponsoren wird?

A: Das CCIEE arbeitet mit Mitteln aus verschiedenen von der chinesischen Regierung bezahlten Institutionen oder ihren ausländischen Gegenstücken, welche privat finanziert werden. Zum Beispiel erhält das Brookings Institut über 70 Millionen Dollar pro Jahr von der Rockefeller Familie. Die Zentralregierung liefert uns eine minimale Grundbasis von 5 Millionen Yuan (600.000 Euro) pro Jahr, sodass das Zentrum den Geldrat zum auftreiben von Mitteln ins Leben gerufen hatte. Bis jetzt haben mehr als 20 staatseigene Unternehmen Unterstützung angekündigt. Das Zentrum plant auch, Geld von privaten Unternehmen und internationalen Multis zu bekommen. Die Diversifizierung der Geldquellen wird die Unabhängigkeit des Zentrums sicherstellen und dafür sorgen, dass keiner unserer Sponsoren aus allen möglichen Regionen unsere Forschungsresultate beeinflussen kann. Das Zentrum möchte in Zukunft vollständig nach den Prinzipien des Marktes funktionieren und 500 Millionen Yuan (52 Millionen Euro) aus verschiedensten Quellen, ohne die Regierung, erhalten.

F: Die meisten Mitglieder des CCIEE sind ehemalige Politiker. Führt das nicht zu einer losen Organisationsstruktur?

A: Die Mitglieder des Zentrums lassen sich grundsätzlich in drei Gruppen unterteilen: Vollzeitangestellte, welche aus den Tausenden höchstausgebildeten Akademikern des Landes, welche auf unsere Onlinekampagne reagierten, ausgewählt wurden; führende Forscher, darunter ehemalige Politiker, welche als Vollzeitberater zu Verfügung stehen werden; und zu guter letzt noch Forschungsangestellte mit temporären Verträgen, welche nur für ein bestimmtes Projekt arbeiten.

Das CCIEE war während der letzten drei Monate damit beschäftigt gewesen, Wirtschaftsforschungsprojekte durchzuführen, Verbindungen zur internationalen Zusammenarbeit zu schaffen und Informationsdienstleistungen aufzubauen, weswegen alle Mitarbeiter aufs äußerste ausgelastet waren. Das Zentrum führt eine wöchentliche Diskussion über brennende ökonomische Themen, sendet ökonomische Berichte an die Zentralregierung und veröffentlicht Material wie das Magazin "Think Tank Talks". Das CCIEE fertigte bereits zehn Forschungsreports an, darunter ein Report über das grüne Erholungsprogramm und Exportausbaustrategien, welche besonders die Zentralregierung interessierten. Unser Zentrum wird sein Debüt auf internationalem Parkett als Gastgeber des Expertenkommissionsgipfels haben. Dabei erwarten wir eine lebhafte Diskussion mit anderen weltbekannten Experten über die Entwicklungen der Finanzkrise und Wege, um die Erholung der Weltwirtschaft zu erleichtern. Es verspricht ein perfekter Anfang für das Zentrum auf der Weltbühne zu werden.

F: Worin liegen die Unterschiede zwischen Chinesischen und ausländischen Expertenkommissionen?

A: Es gibt auf Welt an die 6000 Expertenkommissionen, von welchen sich 1800 in den USA befinden. Das Prinzip der "Drehtür" ist ein Konzept, gemäß welchem die US-Experten in den Kommissionen zyklisch ihre Rollen als Forscher und Regierungsangestellte wechseln. Dieses System führt zu mehr dynamischen Verbindungen zwischen der Regierung und den Expertenkommissionen und sorgt für qualifiziertes Personal. Daher schafften es die Expertenkommissionen in den entwickelten Ländern, zu einer mächtigen Kraft in politischen, kommerziellen und akademischen Kreisen zu werden und einen direkten Einfluss auf die Gesetzgebung und die öffentliche Meinung auszuüben. Viele Gesetze in den USA wurden zuerst von Expertenkommissionen vorgeschlagen und dann, nach Diskussionen in den Medien und Anhörungen im Kongress, von der Regierung abgesegnet.

Expertenkommissionen spielen auch eine wichtige Rolle bei Beziehungen mit dem Ausland. So sind beispielsweise viele Wissenschaftler der Brookings Institution ehemalige US-Botschafter und können weiterhin auf ihre internationalen Netzwerke zugreifen. In China wurden solche Kommunikationskanäle außerhalb der Regierung aber während vieler Jahre vernachlässigt, daher braucht es jetzt einen neuen Ansatz zum Verbessern der Öffentlichkeitsarbeit und dem Aufbau von mehr Macht auf dem internationalen Parkett.

F: Was ist die ideale Zukunft des CCIEE?

A: Meiner Meinung nach sollte das CCIEE eines der weltbesten Expertenkommissionen werden und ein Pionier unter den chinesischen Institutionen. Um gegen die Finanzkrise zu kämpfen, brauchen wir nicht nur eine Zusammenarbeit zwischen den Regierungen, sondern auch eine Zusammenarbeit der weltweiten Experten. Das ist der Grund, weswegen der erste globale Expertenkommissionsgipfel den Titel "Teilt die Weisheit und verfolgt die globale Entwicklung" trägt. Wir sind der Auffassung, dass genau dies die eigentliche Verantwortung der Expertenkommissionen rund um die Welt ist.

 

Quelle: CRI, 25.06.2009


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